Meeresbrise

Du warst nach so viel Zeit
wie der Wind.
Ich wusste Dich stets an meiner Seite,
manchmal zart,
süss zuflüsternd,
manchmal eisig,
oder lau.
Du hast meine Wange gestreichelt,
mich umarmt mit Deiner Frische,
mich erzittern lassen.
Du warst ein willkommener Begleiter.
Ich kannte Deine Art zu wehen,
Dein Wechseln von ruhig zu aufbrausend.
Du hast mich getragen,
manchmal vor dem Weiterkommen gestoppt,
Dich selten zurückgehalten.
Hast gepetischt,
um an einem anderen Tag wieder behutsam
durch mein Haar zu streichen.
Du hast geweht
mit Wehmut,
unsichtbar wehgetan,
warst wehrlos,
wenn ich Dir trotzen wollte.
Du warst schwer zu verstehen,
weil Du säuselst oder unfassbar stumm bist,
genauso, wie ich.
Ja, Du warst immer da,
manchmal nur im Hintergrund,
oder kaum merklich auf meiner Haut.
Ich schätze Dich
für Deine Treue,
für Deine stetige Kameradschaft,
Deine Lebhaftigkeit.
Ich glaube, ich nehme Dich wahr
als den, der Du vorgibst zu sein,
aber auch als den, der Du bist
mit Deinen stürmischen, sanften Seiten.
Eine sture Naturgewalt,
die sich in ihrer Natürlichkeit sicher ist.
Mich aufhorchen lässt
und mir auf unverständliche Weise
wohlgesonnen ist.
Wege freimacht,
niemals zwingt.
Manchmal machtlos zuschaut,
oder bestimmt von sich wegstösst.
Bitte bleib mir erhalten,
bleib an meiner Seite,
hülle mich ein in Deine Umarmung,
bleib da als milde Brise,
die mich wärmt, wenn mir kühl ist
und als bewundernswerter Lebenskünstler,
als anhaltender, rauer Luftzug,
den ich zu lieben gelernt habe.

xxj

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