Ganz nah

Aquilo – Waiting

 

Ganz nah. Weil ich sonst zerbreche.
Weil Du sonst weg bist.
Weil ich sonst kalt werde.
Weil sonst die Welt auf mich niederbricht,
die Idylle zerberstet, der graue Alltag die Überhand gewinnt,
alles Gefühl etwas tauber wird, die Hoffnung etwas mehr verblasst,
traurige Tatsachen deutlicher werden und unsere Verschiedenheit,
unsere Inkompatibilität, unser Frust.

So, dass ich Deinen Atem spüre. Weil Du sonst nach Süden gehst,
und ich in mich hinein, in die Einsamkeit.
Weil wir uns sonst voneinander wegbewegen,
so weit, dass wir nicht mehr die selbe Sprache sprechen.
So weit, dass ich Dich nicht mehr erkennen könnte, wenn Du zurückkehrst.
Weil Du mir sonst fremd wirst.
Weil Du mich vergessen könntest, wenn ich nicht hier gleich neben Dir liege.
Weil wir uns sonst verlieren.

So, dass ich Dein Herz höre. Weil die Stille zwischen uns sonst zu laut wird.
Weil wir sonst stumm zueinander sind, da wir so krampfhaft die schwindenden Schläge zu hören versuchen.
Weil die Stimmen des Zweifels immer lauter werden.
Die Stimmigkeit zu zerbröseln droht.
Und plötzlich nichts mehr gut ist. Weil eigentlich wirklich vieles nicht gut ist.
Wir uns dem dann stellen müssten, obwohl wir das noch nicht können,
weil wir noch rohe Diamanten sind, die sich noch nicht fertig geformt haben.

So, dass sich die Muskeln endlich entspannen und der Kopf abschaltet.
Weil wir eigentlich nichts anderes brauchen als den Anderen. Oder?
Aber auch weil wir eigentlich beide so müde sind.
Weil wir uns doch eigentlich nur gut tun wollen.
Weil wir nur so wirklich im Jetzt zusammen sind
und nichts anderes von Belang ist.
Weil es nur in diesem Moment wirklich nichts zu bereden gibt.
Weil wir nur so an der Seele des anderen festhalten.
Und weil wir nur so den anderen wirklich spüren können.

So, dass Du meine raue Haut ganz weich spürst, meine Liebe zu Dir überspringt, in Deinen Adern sanft zu pochen beginnt, Du ruhig sein kannst, weil ich in Sicherheit bin und mich in Deinen Panzer einhüllst und ihn dann ablegst, weil Du ihn nun nicht mehr brauchst.

So, dass Du nicht mehr weisst, wo Ich anfange und Du aufhörst. Weil alles andere falsch wäre.

jana xx

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1 Response

  1. Dominik 20. November 2018 / 18:46

    Schön und berührend an den Abgründen teilhaben zu dürfen. Ich bewundere deinen Mut!

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